Das Wunder des Lebens achten

Am Anfang steht der Wunsch nach einem Kind, am Ende die Fortpflanzungsindustrie, so Michael Prüller, in seiner Kolumne am Sonntag 23. November 2014.


Am Anfang steht etwas Wunderschönes: der Wunsch nach einem Kind. Am Ende steht eine Fortpflanzungsindustrie, die Kinder im Labor produziert. SPÖ und ÖVP haben nun einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der der Fortpflanzungsindustrie mehr Freiheiten gibt als in den meisten Ländern Europas. Sie soll künftig nicht nur fremdes Sperma verwenden dürfen, sondern auch fremde Eizellen, gespendet von Frauen, die für ein bisschen Geld große gesundheitliche Risiken auf sich nehmen müssen.

 

Von den Embryos, die im Labor ins Leben gerufen werden, darf künftig der kräftigste, gesündeste ausgewählt werden, die anderen werden vernichtet. Im Klartext: Sie werden getötet, damit sie nicht krank oder behindert werden oder der Mutter eine Fehlgeburt bescheren.

 

Auch darf sich die Fortpflanzungsindustrie über das eigentlich Medizinische hinausbegeben und auch dort tätig werden, wo selbst bei optimalen körperlichen Voraussetzungen keine Kinder auf natürlichem Weg entstehen könnten, nämlich bei Paaren desselben Geschlechts.

Die in Frage kommenden Methoden beinhalten gesundheitliche Risiken für Mütter und Kinder, aber auch die Möglichkeit psychologischer und emotionaler  Langzeitfolgen. Ganz zu schweigen davon, was das mit der Gesellschaft macht, wenn das „Kind aus dem Baukasten“ Selbstverständlichkeit wird.

 

Dazu kommt, dass die Regierung für ein Gesetz, das das Wunder des Lebens endgültig technisiert und verzweckt, nicht wie in anderen Ländern eine ernsthafte Debatte ermöglicht, sondern nur eine auf zwei Wochen verkürzte Begutachtungsfrist zulässt.

 

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Christ guten Gewissens diesem Gesetz zustimmen kann.    

 

Der Sonntag