1. Was Ist ein Priester? 

Das allgemeine Priestertum

Jeder Christ wird durch Taufe und Firmung zum allgemeinen Pries­tertum" berufen. Jeder Gläubige ist gerufen, an der Weitergabe des Glaubens mitzuwirken durch dieses allgemeine Priestertum und sich mit seinen Talenten an der Sendung Christi zu beteiligen.

Das amtliche Priestertum

Darüber hinaus gibt es das Priesteramt, für das der dazu beru­fene Christ durch das zusätzliche Sakrament der Priesterweihe ermächtigt wird. Von diesem sakramentalen Amt handelt dieses Faltblatt. Es zeichnet die Priester durch die Salbung des Heiligen Geistes mit einem besonderen Prägemal und macht sie auf diese Weise dem Priester Christus gleichförmig, so dass sie in der Per­son des Hauptes Christus handeln können." (Katechismus der Katholischen Kirche [KKK], Abschnitt 1563)

2. Was ist die Aufgabe des Priesters? 

Das Weihesakrament gleicht den Empfänger Christus an, ermächtigt ihn, als Vertreter Christi, des Hauptes, in dessen dreifacher Funktion als Priester, Prophet und König zu handeln" (KKK 1581). Das heißt: Letztlich handelt Christus selbst durch den geweihten Diener und wirkt durch ihn das Heil." (KKK 1584)

Kurz gesagt ist es also die Aufgabe des Priesters, das Amt und die Aufgaben Jesu Christi in unserer Welt auszuüben: Mit seiner priesterlichen Vollmacht lehrt er, verkündet das Evangelium und spendet die Sakramente. In der Feier der Eucharistie wird Chris­tus gegenwärtig und bildet dadurch die Quelle für jedes geistli­che Leben in der Gemeinde.

 

3. Das Priesteramt ist ...

... ein persönliches Amt:

Das Priesteramt ist eine persönliche Berufung und damit „über­natürlichen" Ursprungs. Nicht jeder ist von Gott dazu bestimmt, das sakramentale Priesteramt auszuüben. Jede priesterliche Be­rufung ist einmalig und eng mit der Persönlichkeit des Priesters verknüpft. Darum zählen bei der Eignungsprüfung weniger die Fähigkeiten des Bewerbers, als vielmehr die Frage, ob er tatsäch­lich von Gott gerufen" wurde.

... ein kollegiales Amt:

Ein Priester ist immer in der Gemeinschaft der Priester und Bi­schöfe zu seinem Dienst berufen. Er steht in einer Rangordnung, die sich grob gesagt in Diakon, Priester, Bischof und Papst glie­dert. Deshalb übt jeder Bischof seinen Dienst im Bischofskolle­gium aus in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom, dem Nachfolger des heiligen Petrus und Haupt des Kollegiums; in ent­sprechender Weise üben die Priester ihren Dienst im Presbyterium der Diözese aus, unter der Leitung ihres Bischofs." (KKK 877)

... ein Amt des Dienstes:

Weil die Amtsträger ganz von Christus abhängig sind, der Sen­dung und Vollmacht gibt, sind sie wahrhaft .Knechte Christi' (Rom 1,1)" nach dem Vorbild Christi, der für uns freiwillig .Knechtsge­stalt' angenommen hat (Phil 2,7). Weil das Wort und die Gnade, deren Diener sie sind, nicht von ihnen, sondern von Christus stammen, der sie ihnen für die anderen anvertraut hat, sollen sie sich freiwillig zu Sklaven aller machen." (KKK 876)

 

Die Kraft für diese Selbstaufopferung erhält der Priester allein aus der exklusiven Verbindung mit Christus. Aus ihr zieht er seine Kraft und ist in letzter Konsequenz nur Christus selbst verpflich­tet. Diese exklusive Liebesbeziehung des Priesters mit Christus ist auch der Grund für den Zölibat.

... das Amt der Leitung:

Wer das Weihesakrament empfängt, wird geweiht, im Namen Christi, die Kirche durch das Wort und die Gnade Gottes zu wei­den'(LG 11)." (KKK1535)

Der Priester hat also die Leitungsfunktion in der Gemeinde. Er übt sie aber nicht wie ein Herrscher aus, sondern wie ein Hirte, der seine Herde nährt, fördert und mit seinem Leben verteidigt. Er ahmt damit Christus nach und handelt kraft des Weihesakra­mentes" in der Person Christi, des Hauptes, (vgl. KKK 1548)

... ein Widerspruch?

Einerseits hängt der Priester allein von Christus ab, andererseits ist er in eine Hierarchie eingegliedert und somit den Weisungen seiner Vorgesetzten verpflichtet. Er ist einerseits Diener der Ge­meinde, andererseits aber ihr Leiter.

... ein Geschenk:

0, wie großist der Priester! Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben. Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein. Ohne das Sakrament der Weihe hätten wir den Herrn nicht. Wer hat ihn da in den Taberna­kel gesetzt? Der Priester! Wer hat Eure Seele beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester! Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester!

Wer wird sie darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester."

(Jean-Marie Vianney, der heilige Pfarrer von Ars)

4.         Welche Hierarchiestufen gibt es im Weiheamt?

Oberster Priester, und somit Diener aller anderen, ist, als Zeichen der Einheit der Kirche, der Papst. Darunter zeugt die Gemein­schaft der Bischöfe von der Vielfalt des Gottesvolkes. Die Priester sind die Mitarbeiter der Bischöfe, sie dürfen nur in Einheit mit ihrem Ortsbischofhandeln. Die Diak6*ne sind ebenfalls Helfer der Bischöfe und dienen unter anderem in der Liturgie und in der Seelsorge.

5.         Wer kann Priester werden? 

Nur getaufte und gefirmte Christen.

Die erste Voraussetzung für das Amtspriestertum bildet das durch Taufe und Firmung verliehene allgemeine Priestertum. Der Priester ist kein Angestellter" der Gemeinde, sondern ein Teil von ihr: Das Gebet und das Opfer der Kirche lassen sich vom Gebet und Opfer Christi, ihres Hauptes, nicht trennen. (...) Der ganze Leib, Haupt und Glieder, betet und bringt sich dar." (KKK1553)

Nur Männer.

Jesus, der Herr, hat Männer gewählt, um das Kollegium der zwölf Apostel zu bilden, und die Apostel taten das gleiche, als sie Mit­arbeiter wählten, die ihnen in ihrer Aufgabe nachfolgen sollten. (...) Die Kirche weiß sich durch diese Wühl, die der Herr selbst getroffen hat, gebunden. Darum ist es nicht möglich, Frauen zu wei­hen." (KKK 1577)

Nur Menschen, die von Gott berufen sind.

Niemand hat ein Recht darauf, das Sakrament der Weihe zu empfangen. (...) Man muss dazu von Gott berufen sein. Wer An­zeichen wahrzunehmen glaubt, dass Gott ihn zum geweihten Dienst beruft, muss seinen Wunsch demütig der Autorität der Kir­che unterbreiten, der die Verantwortung und das Recht zukommt, jemanden zum Empfang der Weihen zuzulassen. Wie jede Gnade kann auch dieses Sakrament nur als ein unverdientes Geschenk empfangen werden." (KKK 1578)

6. Warum können Frauen keine Priester werden?

Dem im vorangegangenen Punkt (5.) vom Katechismus vorge­brachten Argument gegen das Frauenpriestertum (Christus selbst hat nur Männer erwählt) könnte man entgegenhalten, dass dies vor langer Zeit aus Rücksicht auf die damaligen gesellschaftli­chen Umstände geschehen sein könnte und heute neu überdacht werden müsste. Es gibt jedoch noch weitere Argumente gegen das Frauenpriestertum, die in der geistlichen Natur des Men­schen zu finden sind. Eine Ordensschwester formulierte es vor kurzem so:

Es gab auch in meinem Leben eine Phase, in der ich gesagt habe: Wir Frauen müssten doch auch Priesterinnen werden können!' Aber inzwischen habe ich erkannt, dass es in den Äm­tern der Kirche verschiedene Perspektiven gibt. Seitdem will ich das überhaupt nicht mehr.

 

Ich habe in meinem Leben so viele Dinge für den Priester vorbe­reitet, die er niemals selbst hätte tun können. So habe ich zum Beispiel viele Menschen nach langen Jahren, in denen sie der Kir­che ferngeblieben waren, auf die Beichte vorbereitet. Diese Men­schen hätte ein Priester nie erreicht. Es ist das marianische Prinzip, das die Frau eigentlich leben müsste: immer neues Leben zur Welt bringen - und das eben nicht nur körperlich, sondern auch geistlich! Neues Leben für Gott, das ist die Berufung Marias. Als mir das aufgegangen ist, wollte ich nur mehr Hilfe sein, damit Gott zur Welt kommt."

Der Dienst der Frau in der Kirche ist nicht geringer als der Dienst des Mannes. Er ist nur grundverschieden. Die Frau hat, wie die Ordensfrau schrieb, Maria als erstes Vorbild, der Mann Christus. Bereitet die Frau, wie Maria, das Leben vor und gibt es weiter, so opfert sich der Mann gemäß dem Vorbild Christi für das Leben und seine Bewahrung auf. Darum ist ihm der Hirtendienst zuge­dacht.

7. Warum ist der Zölibat für Priester vorgeschrieben?

Im lateinischen Ritus der katholischen Kirche ist der Zölibat die Voraussetzung zum Priestertum: Dazu berufen, sich ungeteilt dem Herrn und seiner .Sache' zu widmen, geben sie sich ganz Gott und den Menschen hin. Der Zölibat ist ein Zeichen des neuen Lebens, zu dessen Dienst der Diener der Kirche geweiht wird; mit freudigem Herzen auf sich genommen, kündigt er strahlend das Reich Gottes an." (KKK1579)

Die katholischen Ostkirchen haben seit Jahrhunderten eine an­dere Ordnung: Dort sind nur die Bischöfe zum Zölibat verpflich­tet, zu Diakonen und Priestern können auch verheiratete Männer


geweiht werden. Eine Heirat nach der Priesterweihe ist allerdings ausgeschlossen. Um sich ganz Christus schenken zu können, wählen allerdings auch in der Ostkirche viele Priester freiwillig den Zölibat.

Die Verbindung zu Christus hat für alle Christen Vorrang vor allen anderen Bindungen in Familie und Gesellschaft. Christus selbst hat darüber hinaus die Ehelosigkeit vorgelebt und einzelne dazu eingeladen, ihr zu folgen, (vgl. KKK 1618)

Der Zölibat ist daher ein mächtiges Zeichen des Vorrangs der Verbindung mit Christus, (...) das auch daran erinnert, dass die Ehe der Weltzeit angehört, die vorübergeht". (KKK 1619)

8. Gebet für Priester

An jedem ersten Donnerstag im Monat, am Vorabend des Herz-Jesu-Freitags, betet die Kirche weltweit intensiv für ihre Priester und um neue Berufungen. Wir laden Sie ein, sich in Ihrer Pfarrei oder zuhause diesem Gebet anzuschließen.


Gebete für Priester