HERZ - JESU - APOSTOLAT

FÜR ÖSTERREICH

Geistliche Begleitung: Pater Stanislaus Leszczynski SCJ, Tel. 01/492 4149 /11

Kloster der Herz-Jesu-Priester, 1160 Wien, Klausgasse 18

Verantwortlich für Niederösterreich :

Frau Gerlinde Rihs Tel. 02236 / 474 44

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71. RUNDBRIEF               Oktober 2016an alle Herz-Jesu-Familienmitglieder und Herz-Jesu-Verehrer

Die Schönheit und der Reichtum der

Barmherzigkeit" - Teil 3 BARMHERZIGKEIT UND    GERECHTIGKEIT

Viele meinen, dass sich Barmherzigkeit und Gerechtigkeit ausschließen und sich im Leben nicht vereinbaren lassen. Wir wissen, dass sie zwei fundamentale Verhaltensprinzipien in den menschlichen Beziehungen sind. Liebe ist der höchste Wert und das oberste Verhal­tensprinzip eines Christen gegenüber dem Nächsten. Die Liebe konkretisiert und präzisiert die Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit ist somit das grundlegende Maß der Nächstenliebe. Ohne Gerechtigkeit ist die Entwicklung einer wahren Haltung der Barmherzigkeit nicht möglich.

Was ist nun Gerechtigkeit"? Wir denken dabei zuerst an eine bestimmte Rechtsordnung, an den Vollzug von Strafen. Häufig wird Gerechtigkeit irrtümlich mit Vergeltung und Rache gleichgesetzt; so wird die Rache als eine Form der Gerechtigkeit gesehen. Auch darf die Gerechtigkeit nicht mit der Gleichheit verwechselt werden (z.B. einem Kranken dasselbe zu geben wie einem Gesunden wäre Ungerechtigkeit). Ein fehlerhaftes bzw. verkehrtes Verständnis von Gerechtigkeit zieht eine falsche Auffassung von Barmherzigkeit nach sich. Was ist also Gerechtigkeit?

Papst Franziskus schreibt in seinem Buch .Barmherzigkeit will ich': (Stuttgart 2015) Die Gerechtigkeit ist ein grundlegendes Konzept der Zivilgesellschaft, in der man sich auf eine Rechtsordnung bezieht. Unter Gerechtigkeit versteht man, dass jedem gegeben werden muss, was ihm zusteht. Leider führt diese Sicht nicht selten zu einem Legalismus, der den ursprünglichen Sinn verfälscht und den tiefen Sinn der Gerechtigkeit verdunkelt. In der hl. Schrift wird die Gerechtigkeit hauptsächlich als ein sich völliges und vertrauens­volles Überlassen in den Willen Gottes verstanden. Dies ist gleichzusetzen mit der Gesamt­heit der christlichen Tugenden, der Vollkommenheit. Der hl. Josef wird in der hl. Schrift als .gerecht' beschrieben, weil er nach dem Willen Gottes handelte." (S. 37)

Die Gerechtigkeit ist eine übernatürliche Tugend, bei der es um ein .Recht auf etwas' geht. Aus der Sicht des Glaubens hat jeder Mensch das Recht auf die Achtung seiner Würde als Person, die nach dem Abbild und Gleichnis Gottes erschaffen wurde. Es geht aber nicht nur um das, was den Menschen kraft des von Menschen eingesetzten Rechts gebührt, sondern darüber hinaus um das, was ihm kraft des Gesetzes Gottes aufgrund seiner personalen Würde zusteht. Zu den menschlichen Rechten gehören vor allem das Recht auf Leben,


Entfaltung und Unterhalt, auch auf den guten Namen und auf Achtung. Alle diese Rechte sind durch die Gebote Gottes geschützt, die das gesamte menschliche Leben umfassen. Zur Gerechtigkeit im engeren Sinn zählen folgende Dinge: keinen Diebstahl zu begehen, keine Schulden zu machen, besonders wenn es nicht sicher ist, dass man sie zurückzahlen kann, mit geliehenen Gegenständen sorgsam umzugehen und sie möglichst rasch in gutem Zustand zurückzugeben, leichtfertige und vorschnelle Urteile über den Nächsten zu unter­lassen, sich übler Nachrede und Verleumdung zu enthalten usw. Die wahre Gerechtigkeit im Sinne Jesu ist der Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes. Diese Gerechtigkeit lässt den Geist der Liebe nicht unbeachtet und beschränkt sich nicht auf den Buchstaben des Gesetzes. Zu diesem Geist der Liebe gehören notwendig auch Taten der Barmherzigkeit aus wahrer Nächstenliebe.

Der gerechte Mensch bemüht sich, sowohl die Rechte anderer zu achten als auch die eigenen Pflichten zu erfüllen. Die erbarmende Liebe dagegen reicht tiefer und geht weit über die Achtung der Rechte anderer hinaus. Sie begegnet dem Nächsten als Bruder in Christus, sie begegnet ihm wohlwollend und freundlich und leistet ihm Hilfe in der Not. Aus der Sicht der Gerechtigkeit ist der andere eine Person; aus der Sicht der Liebe ist der andere wie ein zweites Ich; aus der Sicht des Glaubens ist der andere ein Kind Gottes, dem mehr gebührt, als das menschliche Recht gebietet.

Die Gerechtigkeit bemisst, gibt zurück und gleicht aus; die erbarmende Liebe dagegen beschenkt und gibt im Übermaß. Die Barmherzigkeit ersetzt niemals die Gerechtigkeit und hebt deren Anforderungen auch nicht auf. Wenn sich jedoch die Gerechtigkeit von der Barm­herzigkeit loslöst, wird sie zum Formalismus, der sich strikt an den Buchstaben des Geset­zes hält. Dies führt zum Missbrauch der Gerechtigkeit und schadet dem Menschen. Der Grundsatz der Vergeltung wird zur Grausamkeit, wenn Verbissenheit, Hass und das Streben nach der völligen Unterordnung oder Vernichtung des anderen die Oberhand gewinnen. Gerechtigkeit muss mit der Liebe Hand in Hand gehen, denn ohne Liebe kann man nicht ganz gerecht sein (Weish 12,19). Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit verliert ihre Macht, ver­kümmert und wird zur Schwäche, zur Nachsicht mit dem Bösen, oft zu seiner Unterstützung. Die Barmherzigkeit gipfelt in der Vergebung, bei der sich Barmherzigkeit und Gerech­tigkeit begegnen. Viele Menschen können nicht verstehen, dass Gott gleichzeitig barmher­zig und gerecht ist. Sie sagen: Wenn Gott Verbrechern Barmherzigkeit erweist, dann ist er nicht gerecht". Andere sagen: Ich kann sündigen, denn Gott ist barmherzig, er wird mir sowieso alles vergeben". Das ist aber Vermessenheit, eine Sünde gegen den Hl. Geist. Jesus sagte zur hl. Faustina, dass in der Stunde seines Todes am Kreuz die Barmherzigkeit die Gerechtigkeit besiegte (vgl. TB 1572). Das heißt aber nicht, dass die Gerechtigkeit dadurch aufgehoben ist. In Jesus zeigt sich das wahre Antlitz der Barmherzigkeit Gottes. Das Kreuz Jesu lehrt uns, was die Sünde den Erlöser .kostete'. Unsere Berufung und Jesu Auftrag an uns ist, wie er barmherzig zu sein. Maria ist für uns ein vollkommenes Vorbild. (Die Zitate und Gedanken stammen aus dem Buch: ,Die Schönheit und der Reichtum der Barmherzigkeit' Krakau 2014).

Auf die Fürsprache Mariens, der Mutter der Barmherzigkeit sowie aller Heiligen segne Sie und Ihre Lieben und alle Herz-Jesu-Familien der dreieinige, gerechte und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Hl. Geist!

Ihr Herz-Jesu-Priester Gr. Liz. P. Stanislaus Leszczynski

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.Vergelte Gott!