Die Kapuzinerkirche in Wiener Neustadt

Literatur: Adolf Höggerl – 1954 und 1960

 

Zur Zeit der Regierung Leopold des Glorreichen wurde diese Klosteranlage gegründet und den Minoriten übergeben. Ihre erste bekannte Erwähnung findet sie 1250 in einem Freiheitsbrief der Nonnen zu St. Peter (an der Sperr) und dann in einer Bulle des Papstes Innozenz III. Als 1487 Mathias Corvinus die „Newenstadt“ belagerte, hatte das Klostergebäude schwer darunter zu leiden. Unter Kaiser Friedrich III. wurde die Kirche von Sebald Werbacher neu erbaut. Diese bereits um 1250 bestehende Kirche ist eine Rumpfkirche. Sie wurde für den Minoritenorden erbaut, der durch mehr als 300 Jahre in der Stadt im hohen Ansehen stand. 1541 haben Türken das Kloster überfallen und am 24. Jänner achtzehn Priester darin ermordet. In der Reformationszeit sank die Zahl der Mönche sehr stark und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war es gänzlich verödet, die letzten Klosterinsassen – meist Aüsländer wurden dann 1575 ausgewiesen und im Kloster wurden verarmte Bürger untergebracht. Im nächsten Jahrhundert schritt man an die Demolierung der Kirche. Als diese bis zum Chorschiff fortgeschritten war, bemühten sich die Kapuziner um den noch restlichen Teil, erhielten ihn auch und verbauten ihn. Kaiser Ferdinand II. erschien persönlich zur Grundsteinlegung am 10.August 1623. Diese Rumpfkirche zeigt Westorientierung. Das herausgeschlagene Tonnengewölbe des gotischen Baues wurde durch ein wesentlich tiefer angesetztes Gewölbe ersetzt, so dass die gotischen Fenster mit schönen gotischen Maßwerken zum Teil über dem Dachboden aufscheinen. Die alte Minoritenkirche ging fast bis an die Festungsmauer heran, die neue Kapuzinerkirche wurde eine kleine Kirche mit seichter Decke, wurde aber und blieb bis heute eine überaus beliebte Klosterkirche, die von den Kapuzinern gut betreut worden ist und noch immer gut betreut wird.

Von der Inneneinrichtung der Kirche wäre folgendes zu sagen:

Der Hochaltar und zwei Seitenaltäre sowie die Kanzel stammen von dem Laienbruder Benno Gerlich. Er war der Sohn von Heinrich Gerlich einem Kunsttischler aus Ostrau in Schlesien. Er trat mit 21 Jahren im Jahr 1885 als Frater in das Kloster ein und wurde darselbst Koch. In seiner Freizeit betrieb er das ihm von seinem Vater erlernte Gewerbe und zeichnete sich dabei als hervorragender Holzschnitzer aus. Es entstand die Kanzel 1895, der St. Josef-Altar 1896, der St. Antonius-Altar 1897; den Hochaltar und die barocken Leuchter aller drei Altäre beendigte er 1900.

 

In dem kapellenartigen Raum neben dem Predigtstuhl befindet sich ein barocker Altar, dem Hl. Felix gewidmet. Die Statue an der Evangeliumseite stellt den Hl. Rochus dar, auf der Epistelseite den Hl. Sebastian. Im gleichartigen Raum an der gegenüberliegenden Seite befindet sich der Altar des Heiligen Franziskus, ebenfalls ein barocker Altar. Die Statuen sind: An der Evangeliumseite die Hl. Apollonia, gegenüber die Hl. Rosalia. Dieser Altar wird seit 1735 bis heute von dem Laienorden, dem III. Orden des Hl. Franziskus gepflegt.

 

An der Nordwand fallen uns die Teilfenster der weit über den jetzigen Kirchenraum hinausragenden gotischen Fenster auf. Das gotische Maßwerk ist herausgeschlagen und die ziemlich breiten Fenster belichten die Kirche gut. Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich fünf Oratorienfenster mit bunten Gläsern. Vor diesen befindet sich ein Klostergang. Die Fenster dienen zur Lüftung der Kirche.

Sowohl an der Nord- als auch an der Südwand unweit vom Eingang befinden sich hohe gotische Postamentsäulen, baldachinüberdacht. Auf der Evangeliumseite die Statue des Hl. Jakobus, gegenüber Maria mit dem Kinde. Sie stammen noch aus der Zeit der Minoriten.

 

In der Südostecke der Kirche gelangen wir über einige Stufen in eine Marienkapelle, jetzt auch St. Konrad-Kapelle genannt, weil sich in einer sarkophagähnlichen Vitrine am Altar das Abbild des Hl. Konrad, eines Ordensbruders der Franziskaner aus Alt-Ötting in Bayern, befindet. In dieser Kapelle finden wir den schönsten, ebenfalls barocken Altar der Kirche, mit sehr hübschen Einlegearbeiten. Hier befindet sich auch ein Bild des Georg Andreas Washuber des Älteren über dem Hl. Florian, wie er die brennende Stadt löscht. Washuber war auch der Syndikus des Ordens. Sein Sohn Josef Ferdinand war ebenfalls Maler und von 1756 bis 1765 Bürgermeister der Stadt. Beide, Vater und Sohn, arbeiteten für das Kapuzinerklostert. Die meisten Bilder in der Kirche sind von diesen beiden, doch leider unsigniert.

 

An der Nordwand in der Kirche, rechts von der Franziskuskapelle, ist noch das barocke Marienbild nennenswert, das eine Kopie des Bildes „Maria, Trösterin der Betrübten“ der Kapuzinerkirche in Wien darstellt. Ferner ist noch eine „Maria von Fatima“ – Statue nächst dem Hochaltar zu erwähnen. Sie wurde in Portugal geschnitzt und von Papst Pius XII: persönlich geweiht. Sie bildet den Gegenstand hoher Verehrung der Kirchenbesucher.

 

Die Orgel stammt aus dem Jahre 1905 von der Firma Rieger aus Schlesien.

Wenn wir den Kirchenausgang verlassen, fällt uns ein großes Kreuz neben dem Eingang auf – dieses stammt aus der Zeit Maria – Theresias.

Im Osten reihen sich sechs kapellenartige Räume mit Statuen des leidenden Heilands. Diese Räume wurden 1854 erbaut, die Statuen sind wesentlich älter. Sie dürfen um 1720 bis 1739 entstanden sein.

 

Im Süden der Kirche gelangen wir auf einen Gang. Hier sehen wir eine kleine Nische, hinter Gitter, die Statue „Jesu im Elend“ vom Anfang des 15 Jahrhunderts. Sie war bereits einmal gestohlen, wurde aber von dem reuigen Dieb, über die Franziskaner in Graz, kunstgerecht restauriert, zurückerstattet.

 

Daneben befindet sich eine große Nische. In ihr befand sich eine herrliche gotische Marienstatue. Sie wurde vom Orden 1934 an das Kunsthistorische Museum verkauft und von dort wurde eine Kopie an den Orden geliefert, welche im Garten auf der Schanze aufgestellt worden ist.

 

Weiter drinnen im Gang sehen wir zwei Freskogemälde, den Apostel Petrus als Papst und den Antonius als Kirchenlehrer darstellend. Sie befanden sich frührer in einem Keller, wurden kunstgerecht abgelöst und hier angebracht.

 

Ober dem Eingang in das Kloster befindet sich ein sehr gut erhaltenes Freskogemälde, Maria, Königin der seraphischen Orden, mit dem Hl. Franziskus und dem Hl. Antonius. Der Künstler dieses Werkes dürfte der Ordensangehörige P. Norbert Baumgartner aus Wien sein, der es zwischen 1710 und 1730 hergestellt hat.

 

Wir schreiten durch diese Tür und gelangen rechts des Ganges in den Rücken des Hochaltares, der kapellenartig ausgestattet ist.

 

Bilder: An der Ostwand die Hl. Bonaventura, rechts der Hl. Bernhard. An der Südmauer Christus an der Geißelsäule, gegenüber an der Nordmauer Christus der Schmerzensmann. Von hier aus gelangt man in die Sakristei, über die nichts Besonderes zu sagen ist, und von dort östlich in die sogenannte Beichtkammer, mit schönen rippen und Gurten im Gewölbe. Hier war auch der Aufgang zum früheren Predigtstuhl.

 

Das Klostergebäude wurde besonders im Westtrakt im 2. Weltkrieg arg zerstört. Im nicht allzu großen Garten fällt besonders die hohe Schanze auf, die von P. Baschalis 1935/36 mit Säulen versehen worden ist und dadurch weithin auffällt.

Am Kirchenvorplatz befand sich ein Kreuzweg mit lebensgroßen volkstümlich-derben Gestalten.

 

Das Haus, seit 1941 teilweise beschlagnahmt, erlitt gleich der Stadt am Ende des Krieges schwere Bombenschäden. Der sogenannte Provinzialatstrakt wurde gänzlich zerstört und der Osttrakt war dem Einsturz nahe. 1945 wurde das Kloster dem Orden zurückgegeben und restauriert.

 

1973 wurde das Innere der Kirche neu gestaltet. Mit 31. Dezember 1979 wurde die Pfarre aufgelassen