Poetisches

Zeit fürs Gebet

 

Ich kniete nieder zum Gebet,

ich hatte viel zu tun.

ich war in Eil‘, ich war zu spät,

die Arbeit kann nicht ruh‘n.

„Sobald die Zeit es mir erlaubt

Knie‘ ich mich vor den Herrn;

Ganz sicher werde ich es tun,

ich bete ja so gern!“

Und dann fleht‘  ich IHN ganz schnell an,

ich sprang recht hurtig auf,

die Christenpflicht , die war getan,

der Tag nahm seinen Lauf.

Die Seele war nun still und lahm,

die Unruh‘ war jetzt aus,

jedoch kein Wort der Liebe kam

aus meinem Herzen raus.

Bei Freunden hatt‘ ich keine Zeit

den Glauben zu bekennen,

ich war dazu noch nicht bereit,

ich musste rennen, rennen.“

 

Das war mein ewiges Gejammer

der Seele das zu geben

was diese kleine Herzenskammer

gebraucht fürs ew’ge Leben.

Und als das Lebensend‘ ich fand,

da ging ich hin zu Gott.

Gesenkten Blicks ich vor IHM  stand

in meiner großen Not.

ER hielt ein Buch in seiner Hand,

es war das Buch des Lebens,

doch nichts von mir er darin fand,

er sucht‘ darin vergebens.

Mein Name auch nicht darin stand.

Ich wollt‘ den Nam‘ grad schreiben

auf ein Stück kleines Blatt Papier,

ich ließ es wieder bleiben,

denn Blatt und Stift war’n auch nicht hier,

auch fand ich  keine Zeit dafür

ihn deutlich aufzuschreiben.

 

Zu meinem Glück war‘s nur ein Traum,

den ich geschaut soeben.

Die Liebe Gottes ließ mich schau’n:

Ganz schnell vergeht mein Leben,

das reine Gnade mir geschenkt:

 

Ich knie nieder zum Gebet

ich hab‘ zwar viel zu tun.

ich bin in Eil‘, ich bin zu spät,

die Arbeit muss jetzt ruh‘n.

Ich flehe IHN voll Liebe an,

der Tag nimmt seinen Lauf.

Die Seele ruht in SEINEM Arm,

die Ruhe nimmt mich auf.

Wie bist Du, Herr, unendlich gut,

voll Liebe und Erbarmen,

du gibst mir Kraft, du gibst mir Mut,

ich ruh‘ in deinen Armen.

 

 Josef Ostermann