Benedikt XVI.: Die Neuevangelisierung fängt im Beichtstuhl an

 

Der Papst an die Apostolische Pönitentiarie: Die wirkliche Umkehr der Herzen ‚ist der Motor einer jeden Reform’. Die Heiligkeit – Ziel der Neuevangelisierung. Von Armin Schwibach

 

Rom (kath.net/as) Die sakramentale Beichte ist ein Weg der Neuevangelisierung. Mit diesen Worten wandte sich Papst Benedikt XVI. am gestrigen Freitag an die Teilnehmer eines Kurses über das „Forum internum“, der auch dieses Jahr von der Apostolischen Pönitentiarie veranstaltet wurde. Die rund 1.300 Anwesenden bat der Papst um einen neuen pastoralen Mut in der Pädagogik der christlichen Gemeinden zugunsten der Praxis der Beichte.

Der Lebenssaft der Neuevangelisierung bestehe in der Heiligkeit der Kinder der Kirche, im täglichen Weg der persönlichen und gemeinschaftlichen Umkehr, um sich immer tiefer Christus gleichzugestalten. Durch die Beichte lege der reuige Sünder den alten Menschen ab, um sich mit dem neuen Menschen zu kleiden. Nur wer sich zutiefst von der göttlichen Gnade erneuern lasse, könne in sich das Evangelium tragen und so dessen Neuheit verkündigen.

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Die wirkliche Umkehr der Herzen „ist der Motor einer jeden Reform und setzt sich in eine wahre Kraft der Evangelisierung um“. Benedikt XVI. wiederholte den Aufruf seines Vorgängers Johannes Paul II. zu einem neuen pastoralen Mut, „damit die tägliche Pädagogik der christlichen Gemeinden überzeugend und wirksam die Praxis des Sakramentes der Versöhnung vorzulegen vermag“ (vgl. Novo millennio ineunte, 37). Es sei notwendig, in der Neuevangelisierung und im Sakrament der Beichte das wahre Antlitz Christi zu entdecken, in dem Gott sein barmherziges Herz zeige.

In einer Zeit des erzieherischen Notstandes wie der heutigen, in der der Relativismus die Möglichkeit der Erziehung als fortschreitende Hinführung zur Erkenntnis der Wahrheit, zum tiefen Sinn der Wirklichkeit und somit als Hinführung zur Beziehung mit der Wahrheit Gottes in Frage stelle, seien die Christen aufgerufen, kraftvoll die Möglichkeit der Begegnung des Menschen mit Jesus Christus zu verkündigen, in dem Gott so nahe gekommen sei, dass er gesehen und gehört werden könne.

Das Sakrament der Beichte helfe, den Blick auf Gott hinzuwenden, damit dieser in das Leben des Menschen eintrete: „Die Gewissheit, dass Gott nahe ist und in seiner Barmherzigkeit den Menschen erwarte, auch den, der von der Sünde betroffen ist, um seine Krankheit mit der Gnade des Sakraments der Versöhnung zu heilen, ist immer ein Licht der Hoffnung für die Welt“.

Wer zur Beichte gehe, erfahre in sich das Verlangen nach einer Änderung. Den Priestern rief der Papst so in Erinnerung, dass sie die Protagonisten vieler möglicher Neuanfänge der Büßer seien. Dabei müssten sie daran denken, dass die Bedeutung einer jeden Neuheit nicht so sehr im Verlassen oder Beseitigen des Vergangenen als vielmehr in der Aufnahme Christi bestehe, der fähig sei, alle Schattenseiten zu erhellen.

„Die Neuevangelisierung beginnt also mit dem Beichtstuhl“, so Benedikt XVI. „Sie beginnt mit der geheimnisvollen Begegnung zwischen der unerschöpflichen Frage des Menschen, die Zeichen des schöpferischen Geheimnisses ist, und der Barmherzigkeit Gottes, der einzigen angemessenen Antwort auf das menschliche Bedürfnis nach dem Unendlichen“.

Wenn die Gläubigen in der Feier des Sakraments der Versöhnung die wirkliche Erfahrung jenes Erbarmens machten, das Jesus dem Menschen geschenkt habe, „so werden sie selbst zu glaubwürdigen Zeugen jener Heiligkeit, die das Ziel der Neuevangelisierung ist“. Besonders der Priester arbeite an der Evangelisierung mit, indem er als erster das Bewusstsein des Bedürfnisses nach der sakramentalen Beichte erneuere, damit es zu einer neuen Begegnung mit Christus kommen könne. „Wer euch begegnet“, so der Wunsch Benedikts XVI., „soll ausrufen können: wir sind dem Messias begegnet“. Auf diese Weise stelle jede Beichte „einen weiteren Schritt der Neuevangelisierung dar“.

Die Apostolische Pönitentiarie, die auch dieses Jahr den Kurs veranstaltet hatte, gehört zu den drei obersten päpstlichen Gerichtshöfen der Kirche. Sie wird gemeinhin auch als der oberste Gnadenhof der katholischen Kirche bezeichnet. Die Zuständigkeit erstreckt sich auf das, was das „forum internum" – also Gewissensfragen – sowie die Ablässe anbetrifft. Für das „forum internum", sei es sakramental im Kontext des Bußsakraments oder nichtsakramental, gewährt sie Absolutionen, Dispensen und andere Gnadenerweise. Das Dikasterium ist für Fragen zuständig, die die Gewährung und den Gebrauch von Ablässen betreffen, vorbehaltlich der Kompetenzen der Kongregation für die Glaubenslehre.

Die Apostolische Pönitentiarie sorgt dafür, dass in den Päpstlichen Basiliken in Rom genügend Beichtväter vorhanden sind, die mit den erforderlichen Befugnissen ausgestattet sind. Das Dikasterium wird vom Kardinal-Großpönitentiar Manuel Monteiro de Castro geleitet. Ihm stehen ein Regent und fünf andere Prälaten als Mitarbeiter zur Seite. Der Groß-Pönitentiar ist der einzige hohe Leiter eines Amtes in der Römischen Kurie, der seine Amtsgewalt mit dem Tod eines Papstes nicht verliert.

 

 

16 November 2013, 12:28

 Papst Franziskus‘ Top Ten-Gründe für die Beichte

 

 Der Papst hat einen Beichtboom ausgelöst. Doch mit welchen Aussagen? Hier die zehn wichtigsten Gründe für die Beichte gemäß Papst Franziskus.

 

 Rom (kath.net) Papst Franziskus hat in Rom und Umgebung einen Beicht-Boom ausgelöst. Davon berichten römische Beichtväter, der Leiter der Apostolischen Pönitentiarie oder Erzbischof Rino Fisichella, Präsident des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung, wie catholicreview.org. berichtet. Hier sind die wichtigsten Aussagen von Papst Franziskus über die Beichte aufgelistet.

 

 Top Ten-Gründe, warum Katholiken beichten sollen:

 

  1. Die Beichte hilft Menschen, sich für das zu schämen, was sie falsch gemacht haben, und umarmt sie mit Gottes Liebe, sodass sie wissen, dass ihnen vergeben ist und sie gestärkt hinaus gehen können in den Wettkampf (des Lebens), um die Sünde in Zukunft zu meiden.

 

 2. "Doch wenn eine Person – ob Laie, Priester oder Schwester – zur Beichte geht und umkehrt, verzeiht der Herr. Und wenn der Herr verzeiht, vergisst er. Das ist wichtig.“ (zu Reportern am 28. Juli 2013)

 

 3. Der Beichtstuhl ist keine Reinigung, so eine Art Geschäft, das einfach die Flecken der Sünde auswäscht.

 

 4. „… wenn sich die Tür ein wenig zu schließen beginnt wegen unserer Schwäche und Sünden, macht die Beichte sie wieder auf.“

 

  5. “Ich kann nicht zwei-, drei- oder viermal getauft werden, aber ich kann zur Beichte gehen, und wenn ich zur Beichte gehe, erneuere ich diese Gnade der Taufe.“ (Generalaudienz 13. November)

 

 6. Es ist keine Folterkammer, wo dir die Leviten gelesen werden.

 

 7. Die Beichte ist eine Begegnung mit Jesus, dessen „Barmherzigkeit uns motiviert, es besser zu machen“.

 

 8. Sie ist keine Sitzung beim Psychiater, die die Frage der Sünde vernachlässigt, oder ein geistiges E-Mail an Gott, das die Begegnung von Angesicht zu Angesicht mit dem Herrn durch den Priester vermeidet.

 

  9. Das ehrliche und demütige Anerkennen der eigenen Schwäche, einen „Splitter von Satan in meinem Fleisch“ zu haben, zeigt, dass „die Kraft der Erlösung von Gott kommt, nicht von einem selbst“. (Morgenpredigt 14. Juni 2013).

 

 10. Die Beichte „wird Gott preisen, weil ich – der Sünder – gerettet worden bin von ihm, „der immer wartet und immer vergibt, mit Zärtlichkeit“.